Die diesjährige FASD Deutschland Fachtagung fand unter dem Motto

„FASD - Träumen erlaubt “ in Dortmund statt.

Bereits am Donnerstag Abend trafen wir uns mit anderen Pflegeeltern und den erwachsenen Betroffenen zum Essen. Durch den regelmäßigen Besuch der Fachtagungen haben wir uns schon richtig angefreundet, man freut sich schon jedes Jahr auf die Fachtagung und den Austausch mit den Freunden und Bekannten aus Rostock, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg usw.

Akzeptanz, Verständnis und Wertschätzung, wenn wir uns über unsere alkoholgeschädigten Kinder und ihre „Besonderheiten“ unterhalten und nicht Kopfschütteln, Unverständnis und Vorwürfe.

Frau Gisela Michalowski, die Vorsitzenden von FASD Deutschland e.V., hielt am 27.09.2019 eine kleine Eröffnungsrede und übergab dann das Wort an den Moderator Herr Dr. Winfried Kösters.

Die Teilnehmenden der Fachtagungen schätzen seine spritzige, stets interessante Art der Moderation und Dr. Kösters ist zu einem festen Bestandteil dieser Tagungen geworden.

Dr. Eckhard von Hirschhausen schickte wie bereits 2018 wieder ein paar Grußworte via YouTube und um 09.30 Uhr starteten die vielen interessanten Referenten.

Prof. Dr. Martin Holtmann referierte zum Thema „Pharmakotherapie “und es wurde auch einige Fragen von Betroffenen zum Thema Medikation gestellt.

Der nächste Referent war Dr. Khalil Murafi. Er verstand es mit seiner lustigen Art, die Stimmung im Saal etwas aufzulockern und man hätte ihm zum Thema „Trauma erkennen und verstehen “ noch stundenlang zuhören können.

Frau Dr. med. Dipl. Psych. Mirjam Landgraf widmete sich dem Thema „Therapien bei FASD“ und Herr Dr. med. Jörg Liesegang „FASD und Exekutivfunktionen “.

Bevor es in die Mittagspause ging, stellte Herr Dr. Kösters die Referenten der Parallelveranstaltungen am Nachmittag kurz vor.

So viele Menschen zeitgleich zu verköstigen ist natürlich eine riesige Herausforderung und es ging auch nicht ohne Wartezeiten an den Buffets und Tischen von statten. Einige aßen sogar ohne Tisch im stehen, aber ich denke, es musste niemand hungrig zurück aus der Pause kehren.

Nach der Mittagspause starteten die Parallelvorträge. Ich hatte mich für die Vorträge „FASD Diagnostik im SPZ “ mit Dr. med. Katja Chang-Kreul und „Frühe Hilfen bei FASD “ mit Dr. Angelika Albrecht-Haymann entschieden.

Um 16 Uhr gab es noch eine Kaffeepause und anschließend starteten die 2 letzten Parallelvorträge. Hier entschied ich mich für „FASD und Kinderschutz“ mit Rechtsanwalt Peter Hoffmann und „Brauchen FASD Kids einen besonderen Schutz “ mit Dr. med. Heike Hoff-Emden.

In der Schlussphase war es so informativ und spannend, dass wir sogar den zeitlich gesteckten Rahmen um ca. 30 min überziehen mussten und es für den ersten Fachtag um ca. 18:30 Uhr zu Ende ging.

Den Abend ließen wir dann wieder bei einem gemeinsamen gemütlichen Essen mit Freunden ausklingen.

Pünktlich um 9 Uhr startete am Samstag, den 28.09.2019, der zweite FASD Fachtag im Kongresszentrum Dortmund.

Die ersten beiden Vorträge waren etwas „trockene Materie“, jedoch hoch interessant, da es um das Thema „Recht “ ging. Rechtsanwalt Christoph Kapp widmete sich dem Thema „Chancen und Risiken für Menschen mit FASD durch das BTHG ab 2020 “ und Richter Christian Grauer dem Thema „FASD im Strafrecht, insbesondere im Jugendstrafrecht“. Mir persönlich kam die Moderation von Herr Grauer etwas langweilig rüber und man konnte stellenweise den Eindruck gewinnen, er habe sich nicht richtig auf die Moderation vorbereitet.

Ein für mich hochspannender Vortrag war der von Prof. Dr. med. Prof. h.c. Florian Heinen von der Ludwigs-Maximilians-Universität München bzw. Ärztlicher Direktor des Integrierten SPZ München. Er referierte zum Thema „Motorische Entwicklung bei FASD“ und gab interessante Einblicke in die Hirnschäden bei Menschen mit FASD. Ein ausführliches entwicklungsneurologisches Gutachten bei Menschen mit FASD könnte Aufschluss darüber geben, welche Bereiche noch förderfähig sind und welche Therapien man sich gleich sparen kann, da der hirnorganische Schaden in diesem Bereich zu groß ist. Dieses neurologische Gutachten ist ein erstrebenswertes Ziel für jeden Menschen mit FASD, um ihn optimal zu fördern.

Das nächste Thema war „FASD in der Jugendhilfe“ und im Anschluß daran stellte Herr Dr. Kösters die Workshops für den Nachmittag vor.

Da wir einen pubertierenden 13 jährigen mit FAS zu Hause haben, entschied ich mich nach der Mittagspause für den Workshop „Gelingende Sexualität“ mit Anke Sligtenhorst und Jürgen Veldink vom Eylarduswerk. Leider entsprach dieser Workshop nicht meinen Erwartungen, da es hier hauptsächlich darum ging, die Neuauflage des sexualpädagogischen Brettspiels TabuDu anzupreisen.

Nach der Pause schauten wir uns den bewegenden, emotionalen Film, den Erwachsene Betroffene 2018 während ihres Erwachsenen-Wochenendes des Vereines FASD Deutschland e.V. in Fulda gedreht hatten, an.

Direkt im Anschluss kam ein Interview mit Dr. Kösters und Marina und Tim, 2 erwachsene Betroffene, und auch 2 betroffene Pflegefamilien kamen zu Wort. Hier kam wieder deutlich zum Ausdruck, dass noch viel getan werden muss, um über FASD aufzuklären. Nach wie vor gibt es noch sehr viele Behörden, Institutionen und selbst Ärzte, die keine Ahnung von FASD haben.

Zum Abschluss der Tagung war Träumen erlaubt und die Teilnehmer durften Wünsche für die Zukunft äußern. Einer der vielen Wünsche fand ich persönlich am beeindruckendsten und das war der von der Vorsitzenden von FASD Deutschland e.V. Gisela Michalowski. Sie wünschte sich, dass der Verein FASD Deutschland e.V. und die Fachtagungen irgendwann nicht mehr erforderlich sind, weil kein Mensch mit FASD mehr geboren wird.

Wahrend der Fachtagung gab es wieder viel interessantes Infomaterial und die Publikationen der vergangenen Fachtagungen zu erwerben und diesmal gab es auch erstmals den Notfallpass für Menschen mit FASD.

In diesem Jahr wurde Frau Dr. med. Dipl. Psych. Mirjam Landgraf der FASD Deutschland Award für außerordentliches Engagement für Menschen mit FASD verliehen.

Wir hoffen, wieder einen der begehrten Plätze bei der nächsten Fachtagung zu bekommen.