Vom 28.09. bis 29.09.2018 fand die diesjährige Fachtagung von FASD Deutschland e.V. unter der Überschrift „FASD – mittendrin statt außen vor!“ in Berlin statt. Die Schirmherrschaft übernahm zum wiederholten Male Frau Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Durch die Fachtagung führte in kompetenter Weise Herr Dr. Winfried Kösters als Moderator.


Die gutbesuchte Fachtagung wurde durch Herrn Dr. Kösters und Frau Gisela Michalowski, Vorstandsvorsitzende des Vereines, eröffnet.

Die Auswahl der Vorträge war vielgestaltig und lässt sich in mehrere Themengruppen untergliedern.

Diagnostik

Frau Dr. med. Nicola Coenen-Englert informierte die Teilnehmenden über „FASD im Vorschulalter - Diagnose, Beratung und Begleitung“. Herr Philipp Wenzel referierte in zum Thema „Wie schmal ist eine "schmale Lidspalte“? - Ein Vergleich von Lidspaltenbreiten von FAS-betroffenen und gesunden Kindern und Jugendlichen“. Frau Lisa Francke sprach über „Diagnostik - Konzept und praktische Erfahrungen der Erwachsenen - Ambulanz in Essen“.

Erwachsene mit FASD

Dieses Thema nahm ein größeres Feld der Fachtagung ein. Herr Uwe Drechsler hatte gleich zwei Vorträge, „WfbM - Garant für soziale Sicherheit oder Hemmnis der Eigenständigkeit?“ und „Gesetzliche Leistungen - Wege zur Umsetzung meiner Ansprüche!“ Frau Lina Schwerg stellte ihr „BSI-FASD – Biographisches Screeninginterview für Erwachsene mit vermutetem FASD“ vor. Herr Prof. Dr. Hans-Ludwig Spohr sprach allgemein über „Erwachsene mit FASD“.

Prävention

Prävention ist sehr wichtig, damit die Folgen des Alkoholkonsums in der Schwangerschaft für das ungeborene Kind tiefer ins Bewusstsein der Menschen dringen. Den Einführungsvortrag hielt Frau Dr. med. Dipl. Psych. Mirjam Landgraf „Zum Wissenstand über FASD“ in Deutschland. Frau PD Dr. Dagmar Orthmann -Bless informierte über „Wissen und Einstellungen zu Alkohol in der Schwangerschaft bei Fachpersonen und in der allgemeinen Bevölkerung in der Schweiz“. Frau Johanna Pogodda gab einen Überblick zur „FASD-Prävention bundesweit: wie gelingt es, Schwangere und ihr soziales Umfeld zu erreichen?“. Frau Susanna Rinne - Wolf sprach über „Prävention FASD in Hebammenpraxen“.

Recht

Da es immer wieder Änderungen im rechtlichen Bereich gibt, ist es unerlässlich, diese Themen aufzugreifen. So referierte die Fachanwältin für Sozialrecht Frau Gila Schindler über das neue Bundesteilhabegesetz. Herr Prof. Dr. Thomas Bode sprach über „FASD im Strafrecht“.

Alltag

Hilfreiche Tipps und Anregungen zur Förderung der Menschen mit FASD sind immens wichtig. Frau Anne Schlachtberger referierte zum Thema „FASD und Schule“. Frau Melanie Otto stellte in ihrem Vortrag „FEX- Förderung der Exekutiven Funktionen“ nicht nur Hilfen vor, sondern ermunterte die Teilnehmenden auch zum Mitmachen und Ausprobieren. Über „Inklusion durch Sport“ sprach Herr Frank Eicholt und machte Mut, es in den örtlichen Sportvereinen zu beginnen. Das Thema „FASD und Schlaf“ wurde von Herrn Prof. Dr. Osman Ipsiroglu und Frau Alison Frieling behandelt.

Therapien

Welche Therapien können besonders Kindern, aber auch Erwachsenen mit FASD helfen? Diese Frage stellen sich die Bezugspersonen oft. Frau Kirsten Kramer und Frau Tanja Vantroyen stellten in ihrem Vortrag „Schritt halten im Leben - Tiergestützte Ergotherapie mit dem Pferd“ die Hippotherapie und ihre Möglichkeiten vor. Herr Ingo Droll zeigte auf, dass die „Unterstützung von Kindern mit besonderen Förderbedarfen durch Marte Meo“ möglich ist, und Herr Johannes Späker stellte die Hilfe durch „Neurofeedback“ vor.

Leben mit FASD

Auch hier gab es interessante Vorträge. Frau Dr. Heike Hoff-Emden sprach über „Realität, Ressourcen, Risikofaktoren aus der Sicht FASD Betroffener.“ Frau Christiane Schute zeigte die „Zielorientierung in der Jugendhilfe versus Bedürfnisorientierung bei FASD“ auf.

Als emotionaler Höhepunkt der Tagung wurde ein Film von Erwachsenen mit FASD gezeigt. Der Film ist sehr berührend und authentisch und sorgte auch bei den Teilnehmenden der Tagung für einen Gänsehautmoment. Anschließend standen einige der Protagonisten des Films für ein Podiumsgespräch bereit und konnten auch den wohlverdienten, anhaltenden Applaus für den Film entgegennehmen. Die Aussage einer Betroffenen hat mich besonders berührt und beeindruckt: „Ich bin keine Lok, ich bin ein Anhänger.“ Mit wenigen Worten hat sie präzise beschrieben, wie Menschen mit FASD sich fühlen und wie viel Unterstützung (=Anleitung) sie im Alltag benötigen.

In den Pausen konnte man das Gehörte verarbeiten, sich austauschen und/oder die Projektausstellungen und diverse Infostände besuchen. Die Projektausstellung „Zero!“ zeigte u.a. mit einer begehbaren Gebärmutter, wie wichtig der Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft ist.

Erstmals wurde bei dieser Fachtagung der FASD Deutschland e.V. Award verliehen, eine Auszeichnung für Menschen, die sich ganz besonders für Menschen mit FASD engagieren. Der Preis ging in diesem Jahr an Gela Becker für ihr langjähriges Engagement für das Thema FASD und ihren unermüdlichen Einsatz für die Erwachsenen mit FASD. Da Frau Becker aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Fachtagung teilnehmen konnte, wurde ihr der Preis beim Vernetzungsessen überreicht, das in lockerer Atmosphäre Gelegenheit zum Kennenlernen, Wiedersehen, Austausch und interessanten Gesprächen bot.

Fazit: Es war wieder eine gelungene Fachtagung mit vielen Informationen und Eindrücken. Die Inhalte der Vorträge werden im Jahr 2019 wie immer als Buch erscheinen.