Fachtagung 2015 in Osnabrück

Vom 25.09. bis 26.09.2015 fand die diesjährige Fachtagung von FASD Deutschland e.V. unter der Überschrift „FASD… eine Herausforderung“ in Osnabrück statt. Die Schirmherrschaft übernahm zum wiederholten Male Frau Marlene Mortler, Drogenbeauftragte der Bundesregierung, und zum ersten Male Frau Cornelia Rundt, Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung. Durch die Fachtagung führte Herr Dr. Winfried Kösters als Moderator.

Die gutbesuchte Fachtagung wurde durch Herrn Kösters und Frau Gisela Michalowski, Vorstandvorsitzende des Vereines, eröffnet.

Frau Dr. Antje Erencin, SPZ Essen am Elisabethkrankenhaus, referierte zu dem Thema „FASD – eine Herausforderung in der Diagnostik?“ Sie fasste die Problematik sehr gut zusammen und veranschaulichte sie auch anhand von Beispielen der Lidspaltenmessung und des Philtrums. Sie betonte, dass es mit einem Puzzle zu vergleichen sei.

„Familie-Ausnahmezustand-Stress-Diagnose“ war das Thema von Frau Dr. Heike Hoff-Emden, SPZ Leipzig. Sie zeigte das Dilemma bei FAS auf und machte deutlich, wie wichtig ein stimmiges Gesamtkonzept ist.

Danach konnte man in einer Kaffeepause das Gehörte verarbeiten, sich austauschen und/oder die Projektausstellung und diverse Infostände besuchen. Die Projektausstellung „Zero!“ zeigte u.a. mit einer begehbaren Gebärmutter, wie wichtig der Verzicht auf Alkohol in der Schwangerschaft ist.

Auf die sogenannten Schattenkinder ging Frau Marlies Winkelheide, Dipl.-Sozialwissenschaftlerin, mit ihrem Beitrag „Geschwister melden sich zu Wort ein“. Sie zeigte die Schwierigkeiten auf, alle Geschwister auf Augenhöhe zu sehen und wie wichtig die Anerkennung für das „Aushalten“ der Geschwister ist.

Nach der Mittagspause verdeutlichte Herr Rechtsanwalt Alexander Klemme mit seinem „Schauspiel“ die Schwierigkeiten bei FASD im Strafrecht. Festzuhalten bleibt, dass es sehr wichtig ist, die ausführliche Diagnose in die Akte zu bekommen.

„Ressourcen der Bezugspersonen für Menschen mit FASD“ war das Thema von Herrn Kurt Thünemann, win2win gGmbH. Hier bleibt festzuhalten, wie wichtig es ist, auf sich zu achten, aufzupassen und die Akkus regelmäßig zu laden.

Frau Gisela Michalowski zog ein Resümee aus 10 Jahren FASD Deutschland e.V. Es wurde schon viel erreicht und wir können alle nur Danke sagen für die geleistete Arbeit. Leider bleibt immer noch viel zu tun.

Der Tag endete wie im letzten Jahr mit den Murmelrunden und deren Auswertung. Wieder fanden sich einige Gruppen zum regen Austausch.


Am zweiten Tag sprach Frau Cornelia Rundt als Schirmherrin der Veranstaltung einige Begrüßungsworte.

Herr Dr. Jan-Peter Siedentopf stellte die Frage „Was sind das für Mütter?“ Es gibt verschiedene Antworten, u.a. die sogenannten falsch informierten Mütter. Hier könne man eigentlich gut ansetzen, wenn die Gynäkologen die Frage nach dem Alkoholkonsum allen Schwangeren stellen und entsprechend informieren würden.

Den Hinweis, wie wichtig ein geschütztes Milieu für FASD-Betroffene ist, gab Frau Gela Becker, ev. Kinderheim Sonnenhof e.V., bei dem Thema „Clearinggruppen für Menschen mit FASD und einer Suchtstörung“. Sie erwähnte auch das erste Buch für Erwachsene zu diesem Thema.

Nach der Kaffeepause versuchte Herr Prof. Dr. Klaus Hennicke, Deutsche Gesellschaft für seelische Gesundheit bei Menschen mit geistiger Behinderung e.V., anhand von Fallbeispielen das Problem „Jugendhilfe-Eingliederungshilfe-Sozialhilfe-Behindertenhilfe? Wer ist für welche Problemlagen zuständig?“ zu lösen.

Frau Hedi Gies, Institut Trauma und Pädagogik, widmete sich der Frage „Trauma Pädagogik – wie geht das?“ Die grundlegende Zielsetzung der Traumapädagogik sei dabei die soziale und emotionale Stabilisierung der Kinder und Jugendlichen sowie der Aufbau von Vertrauen zu sich selbst und zu anderen.

Mit Beginn der zweiten Tageshälfte schilderte Herr Prof. Dr. Spohr, Charitè Campus Virchow, seine Erlebnisse mit „Jugendlichen und Erwachsenen mit FAS und ihr hoffnungsloser (?) Kampf mit dem Gesetz und den Gerichten“ aus der Sicht des Gutachters.

Dann ging es in die sieben verschiedenen Workshops: „Leben mit FAS“ mit Herrn André Taubert und Mirko, faspektiven e.V. Bremen. „FASD und Schlaf“ mit Frau Dr. Dorothee Veer, Sozial-Pädiatrisches Ambulanz- und Therapiezentrum Meppen. „Diagnostik FASD“ mit Frau Dr. Mirjam Landgraf, Dr. von Haunersches Kinderspital München. „FAS in der Stationären Jugendhilfe – ein intensivpädagogisches Angebot“ mit Herrn Ralf Neier und Herrn Klaus ter Horst, Eylarduswerk. „Resilienzen von Menschen mit FASD“ mit Herrn Dr. Reinhold Feldmann, FAS-Ambulanz Walstedde. „Aber jetzt bloß noch kein Kind! Neues und Bewährtes zum Thema Verhütung“ mit Frau Dr. Heike Kramer, Ärztliche Gesellschaft zur Gesundheitsförderung ÄGGF Erlangen. „FASD-Wanderausstellung Zero“, wie kann ich die Ausstellung in der Aufklärungsarbeit nutzen? Mit Frau Dr. Gisela Bolbecher, FASD Netzwerk Nordbayern.

Der zweite Fachtagungstag endete mit einer kurzen Auswertung der einzelnen Workshops. Als Resümee bleibt zu sagen: Wieder eine gelungene Sache und wir freuen uns auf die nächste Fachtagung 2016 in Würzburg.